{"id":324,"date":"2008-03-01T10:45:07","date_gmt":"2008-03-01T09:45:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ich-bin-gastfreund.de\/blog\/?p=324"},"modified":"2008-03-01T10:58:03","modified_gmt":"2008-03-01T09:58:03","slug":"wer-sind-wir-die-deutschen-auf-der-suche-nach-sich-selbst","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.ich-bin-gastfreund.de\/blog\/?p=324","title":{"rendered":"Wer sind wir? Die Deutschen auf der Suche nach sich selbst."},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ich-bin-gastfreund.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/03\/kulturheld_200.thumbnail.jpg\" title=\"kulturheld_200.jpg\" alt=\"kulturheld_200.jpg\" align=\"left\" \/>Eine neue qualitative Studie der <a href=\"http:\/\/www.identityfoundation.de\/\" target=\"_blank\">Identity Foundation D\u00fcsseldorf<\/a> zum Thema <strong>&#8222;Deutsch-Sein im Alltag&#8220;<\/strong> macht deutlich, dass die Deutschen von einem gemeinsamen Nationalgef\u00fchl noch sehr weit entfernt sind. Auch eine umrei\u00dfbare deutsche Identit\u00e4t ist nicht in Sicht.<\/p>\n<p>Die nachfolgenden Aussagen geben mit eigenen Worten die Inhalte der Untersuchung wieder. Uns ist kaum eine Studie bekannt, die die &#8222;Notwendigkeit&#8220; unserer <strong>Gastfreund-Initiative<\/strong> so fundamental begr\u00fcndet, wie die Studie &#8222;Deutsch-Sein im Alltag&#8220;.<\/p>\n<p>:Das <a href=\"http:\/\/www.rheingold-online.de\/rheingold-online\/front_content.php\" target=\"_blank\">rheingold-Institut K\u00f6ln<\/a> f\u00fchrte im Auftrag der Identity Foundation <strong>70 Tiefeninterviews<\/strong> durch, die mit Methoden der morphologischen Markt- und Medienpsychologie analysiert wurden.  Besonders auff\u00e4lliges Ergebnis: <strong>Das Nationale ist der Mehrheit der Deutschen fremd<\/strong> und &#8222;erscheint als eine expizit nicht-deutsche \u00c3\u201eu\u00dferlichkeit, die dementsprechend den Lebensalltag kaum erfasst.&#8220;(Zitat) Wohl gibt es eine starke (heimliche) Sehnsucht nach einer starken nationalen Identit\u00e4t &#8211; aber im Lebensalltag sind Aspekte wie zB Heimat, Familie, Nachbarschaft viel wichtiger und besonders&#8230;das <strong>&#8222;Werkeln&#8220;!<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Geschichtslosigkeit wird mit <strong>weltmeisterlichem Werkeln<\/strong> kompensiert.&#8220;(Zitat) Nur so ist es erkl\u00e4rlich, dass wir bereits 4 oder 5x in Folge <strong>Exportweltmeister<\/strong> sind!! Und das ist ja nicht negativ. Mit dem Begriff des &#8222;Werkelns&#8220; ist das Talent der Deutschen gemeint, &#8222;<strong>aus allem etwas zu machen<\/strong>&#8222;. Dieser Drang zum Werkeln findet sich durchg\u00e4ngig auf allen Ebenen der Gesellschaft wieder. ( Jeder hat doch in unserem Land einen Hobby-Keller&#8230;und ordentlich funktionierendes Werkzeug. <strong>Man leiht sich nix<\/strong> &#8211; hat man selbst. Vor 15 Jahren habe ich in England bereits L\u00e4den gesehen, in denen man sich stundenweise Maschinen und Werkzeuge leihen konnte. In Deutschland kommt das jetzt erst &#8211; mit steigender Armut! und einem bestimmten Werkzeug-S\u00e4ttigungsgrad in den Kellern.)<\/p>\n<p>(Zitat:) &#8222;Die F\u00e4higkeit, aus komplexen Zust\u00e4nden zukunftsweisende L\u00f6sungen zu entwickeln, scheint den Deutschen in den Genen zu liegen&#8230;und l\u00e4\u00dft den F\u00f6rderalismus zum offensichtlichen Grundprinzip deutscher Identit\u00e4t werden.&#8220;<\/p>\n<p>Deshalb wird der Nationalsozialismus von vielen Befragten als eine zum Deutsch-Sein <strong>nicht<\/strong> gerade passende Katastrophe angesehen(!) Daher wird eine national orientierte Position fast wie ein Fremdk\u00f6rper empfunden, denn die deutsche Geschichte zeigt sich eher als im <strong>Kleinteiligen und \u00fcberschaubaren Konkreten<\/strong> orientiert. Das hei\u00dft: <strong>Gem\u00fctlichkeit <\/strong>wir gro\u00dfgeschrieben.<\/p>\n<p>So zeigt sich auch die <strong>Wiedervereinigung<\/strong> mit dem ehemals geteilten Deutschland als tiefer Graben, der die Deutschen bis heute trennt. Da fehlen v\u00f6llig die gro\u00dfen Visionen. Es wundert auch nicht, dass mangelhaft ausgepr\u00e4gte Geschichtskenntnisse oder -Interesse ein Grund f\u00fcr Fremdheit sind, selbst die immer wieder beschworenen Dichter und Denker unserer Nation sind nur <strong>blass im kollektiven Ged\u00e4chtnis verankert<\/strong> &#8211; und werden immer blasser.<\/p>\n<p>(Zitat:) &#8222;Unter der Last der politischen Vergangenheit wird Deutsch-Sein so zu einem ambivalenzgeladenen Prozess. Der Wunsch nach einem positiven Selbstbild kann und will offensichtlich auch nicht in ein national orientiertes Selbstverst\u00e4ndnis m\u00fcnden,doch fehlen alternative, \u00fcbergreifende Identit\u00e4tsangebote. In dieser Situation behelfen sich die meisten Deutschen mit einem <strong>systematischen Relativismus<\/strong>.&#8220;(Zitat Ende)<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ich-bin-gastfreund.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/03\/denker-in-koln_200.thumbnail.jpg\" title=\"denker-in-koln_200.jpg\" alt=\"denker-in-koln_200.jpg\" align=\"left\" \/><strong>Was ist sonst noch relavant?<\/strong> ( Die <strong>wichtigsten Thesen<\/strong> der Studie):<\/p>\n<p>Im <strong>Werkeln<\/strong> gewinnt das Deutsch-Sein Kontur<\/p>\n<p><strong>Fehlendes Nationalgef\u00fchl<\/strong>: Eingesp\u00fcrter Mangel, der eigentlich keiner ist<\/p>\n<p>Es werden <strong>diffuse Abstraktionen<\/strong> gebildet als Folge \u00e4u\u00dferen Rechtfertigungsdrucks<\/p>\n<p>Es gibt vier typisch deutsche Lebensmuster: <strong>Erfindergeist, Sicherheit, Tradition, Sentimentalit\u00e4t <\/strong><\/p>\n<p>Die Deutschen bewegen sich zwischen <strong>Weltmeisterphantasien<\/strong> und <strong>innerer Emigration<\/strong><\/p>\n<p>Durch <strong>Multi-Kulti-Konsum<\/strong> bastelt sich der Deutsche eine Identit\u00e4t, indem das Beste aus fremden Welten in den eigenen Lebensstil integriert wird. (Buddha hinterm Bett, Teekultur wie im letzten T\u00fcrkeiurlaub erlebt, mit St\u00e4bchen essen wie beim Chinesen um die Ecke, S\u00fcdsee-Plakat an der Wand etc. etc. ) Daher <strong>tr\u00e4umen<\/strong> Deutsche auch gerne vom <strong>Auswandern<\/strong>, in der Hoffnung, am anderen Ende der Welt bei sich selbst anzukommen und Ruhe zu finden. Patchwork-Identit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Dann gibt es noch <strong>sieben Typologien deutsche Identit\u00e4t <\/strong>( Das Nicht-Deutsch-Sein als erfolgreiches Programm):<\/p>\n<p><strong>Kulturdeutsche<\/strong>&#8230; <strong>Heimatdeutsche<\/strong>&#8230; <strong>Leistungsdeutsche<\/strong>&#8230; <strong>Ordnungsdeutsche<\/strong>&#8230; <strong>Isolationsdeutsche<\/strong> (Achtung: Konfliktpotential!)&#8230; <strong>Jammerdeutsche<\/strong> (Achtung: Konfliktpotential!)&#8230; und <strong>Globaldeutsche<\/strong> &#8211; sie entkoppeln ihr Deutsch-Sein einfach von Staat und Nation und wenden sich einfach der Welt zu. Dort finden sie h\u00f6herwertigere Sinnangebote &#8211; als zB Gartenzwerge und Vereinsmitgliedschaften.<\/p>\n<p>Vielleicht auch eine tiefere gelebte Gastfreundschaft, da die &#8222;b\u00f6se Vergangenheit&#8220; durch eine kosmopolitische Haltung kompensiert wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine neue qualitative Studie der Identity Foundation D\u00fcsseldorf zum Thema &#8222;Deutsch-Sein im Alltag&#8220; macht deutlich, dass die Deutschen von einem gemeinsamen Nationalgef\u00fchl noch sehr weit entfernt sind. Auch eine umrei\u00dfbare deutsche Identit\u00e4t ist nicht in Sicht. Die nachfolgenden Aussagen geben mit eigenen Worten die Inhalte der Untersuchung wieder. 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