{"id":37,"date":"2006-11-06T20:31:57","date_gmt":"2006-11-06T18:31:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ich-bin-gastfreund.de\/blog\/?p=37"},"modified":"2006-11-08T02:23:27","modified_gmt":"2006-11-08T00:23:27","slug":"man-mus-auch-gast-sein-konnen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.ich-bin-gastfreund.de\/blog\/?p=37","title":{"rendered":"Man mu\u00df auch Gast sein k\u00c3\u00b6nnen"},"content":{"rendered":"<p>Ein Derwisch war in einer st\u00fcrmischen Winternacht in einer sp\u00e4rlich bewohnten Gegend auf der Suche nach einem Quartier. Er klopfte an die erste T\u00fcr, die sich ihm bot und fragte, ob er \u00fcbernachten k\u00f6nne. Nein, alles bereits voll, war die Antwort. So ging er von Haus zu Haus. Als er im Ort an der letzten T\u00fcre anklopfte war, bekam er die Antwort: Nein hier nicht, aber wenn du noch dreihundert Meter der Strasse folgst, kommst du an ein abgelegenes Haus, das eigentlich nicht zu unserem Dorf geh\u00f6rt, und da wohnt Ibrahim. Bei dem kannst du \u00fcbernachten. Aber sei gewarnt, denn der verpr\u00fcgelt seine G\u00e4ste.<\/p>\n<p><!--more-->Der Derwisch dankte f\u00fcr die Auskunft und macht sich auf den Weg zu dem besagte Haus. Er dachte bei sich: Oh Allah, ich bin m\u00fcde und hungrig und eigentlich ein guter Mensch. Mu\u00df ich mich denn jetzt auch noch verpr\u00fcgeln lassen, um Gastfreundschaft zu erlangen&#8230;Er kam an die T\u00fcr von Ibrahim und sehr z\u00f6gerlich klopfte er an.<\/p>\n<p>Die T\u00fcre \u00f6ffnete sich und vor ihm stand ein stattlicher Mann, der ihn sehr freundlich begr\u00fc\u00dfte. Komm rein, sagte er zum Derwisch und mach es dir bequem. F\u00fchle dich wie Zuhause. M\u00f6chtest du ein Bad nehmen? Der Derwisch dachte bei sich: ein Bad, oh Allah, ja gerne. Er bekam frische Kleider und setzte sich nach dem Bad an eine reichlich gedeckte Tafel. Es schmeckte k\u00f6stlich und der Derwisch f\u00fchlte sich behandelt wie ein hoher Herr. Zum Abschlu\u00df des Nachtmahls gab es noch den wunderbarsten Mokka, den er jemals getrunken hatte. Dann zeigte ihm Ibrahim sein Zimmer, Ein Bett frisch bezogen und nach Rosen duftend und der Derwisch hatte einen ungest\u00f6rten, erfrischenden Schlaf mit gro\u00dfartigen Tr\u00e4umen.<\/p>\n<p>Als er aufwachte, war der Fr\u00fchst\u00fcckstisch bereits gedeckt und es duftete nach Kaffee und frisch gebackenem Brot. Der Derwisch dachte bei sich: oh Allah, das dicke Ende kommt bestimmt noch, denn er war ja gewarnt. Ibrahim begr\u00fc\u00dfte ihn mit einem freundlichen Lachen und der Derwisch verga\u00df f\u00fcr einen Moment die Warnung, denn die Gegenwart seines Gastgebers war so nat\u00fcrlich und ungezwungen, dass sie gemeinsam scherzten, lachten und sich Geschichten erz\u00e4hlen, als w\u00e4ren sie alte Freunde.<\/p>\n<p>Dann war die Stunde des Abschieds f\u00fcr den Derwisch gekommen und er dachte bei sich: oh Allah, jetzt verpr\u00fcgelt er mich. Aber Ibrahim griff in seine Tasche und gab dem Derwisch noch einen Beuttel mit Geld f\u00fcr seine Reise. Sie umarmten sich herzlich und der Derwisch rechnete in jedem Augenblick damit, dass die Schl\u00e4ge ihn treffen w\u00fcrden. Aber nichts dergleichen geschah.<\/p>\n<p>Als er  bereits eine zeitlang gegangen war, machte der Derwisch kehrt und ging zur\u00fcck zum Haus seines Gastgebers. Ibrahim \u00f6ffnete und dachte sein Gast h\u00e4tte etwas vergessen. Der Derwisch sagte: Ibrahim, lieber Freund, im Dorf erz\u00e4hlt man \u00fcber dich schreckliche Geschichten. Du seist ein schrecklicher Gastgeber, der seine G\u00e4ste immer verpr\u00fcgeln w\u00fcrde. Das stimmt aber doch gar nicht. Soll ich den Menschen im Dorf nicht mal erz\u00e4hlen, dass du ganz anders bist?&#8230;<\/p>\n<p>Ibrahim sagte: Nein, denn es stimmt, was die Menschen im Dorf sagen. Ich verpr\u00fcgele sie, denn sie beleidigen mich. Wenn sie mich besuchen und ich biete ihnen meine Gastfreundschaft, sagen sie bei allem, was ich ihnen anbiete: Oh nein, vielen Dank. Mach dir keine M\u00fche und Umst\u00e4nde. Ich gehe sowieso gleich wieder. Sie kr\u00e4nken mich damit, denn sie k\u00f6nnen meine Freundlichkeit nicht annehmen.<\/p>\n<p>Sie haben nicht gelernt, Gast zu sein. Zu geben, aber auch nehmen zu k\u00f6nnen und damit den Gastgeber zu ehren. Das ist die Kunst der Gastfreundschaft. Und weil sie das nicht k\u00f6nnen, deshalb verpr\u00fcgele ich sie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Derwisch war in einer st\u00fcrmischen Winternacht in einer sp\u00e4rlich bewohnten Gegend auf der Suche nach einem Quartier. Er klopfte an die erste T\u00fcr, die sich ihm bot und fragte, ob er \u00fcbernachten k\u00f6nne. Nein, alles bereits voll, war die Antwort. So ging er von Haus zu Haus. 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